Göttinger Tafel e.V.
Jacobikirchhof 1
37073 Göttingen

Tel.: 0551 – 5 10 30
Fax: 0551 – 5 10 87

Spardabank Hannover
Konto 92 70 15
BLZ: 250 905 00

Mitglied im BV Tafeln


Konzept

Die GÖTTINGER TAFEL e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, überschüssige und gespendete Nahrungsmittel an Bedürftige weiterzugeben.

Gründung

Die GÖTTINGER TAFEL e.V. wurde im November 1994 von engagierten Bürgerinnen und Bürgern gegründet. Anlass der Gründungsmitglieder war, den hinlänglich bekannten Begriff der Überflussgesellschaft nicht mehr nur mit einem Achselzucken hinzunehmen, sondern konkret zu handeln, nämlich „Überfluss“ abzuschöpfen und umzuverteilen.

Vorbild war „City Harvest“ in New York, eine Einrichtung, die 'aberntet', was an Nahrungsmitteln in der Stadt übrigbleibt.

In der Bundesrepublik existieren mittlerweile über 600 Tafeln, die alle unterschiedlich arbeiten in Abhängigkeit von der jeweiligen sozialen Struktur des Ortes, der Größe des Ortes und den dort vorhandenen wirtschaftlichen Voraussetzungen.

Zielgruppe

Die GÖTTINGER TAFEL e.V. will alle Menschen erreichen, die sich selbst als bedürftig einschätzen. Ein „anonymes Kontrollsystem“ soll verhindern, dass Missbrauch von Seiten der Kunden betrieben wird.

Gesellschaftlicher Zusammenhang

In Zeiten zunehmender Arbeitslosigkeit nimmt naturgemäß auch die Armut und Unterversorgung innerhalb der Bevölkerung zu. Der Armutsbegriff wird allgemein über das Einkommen definiert, wobei unterschieden wird zwischen relativer und absoluter Armut. Ein erweiterter Armutsbegriff beinhaltet auch immaterielle Aspekte und umfasst die gesamte Lebenslage eines Menschen.

In diesem Zusammenhang erscheint eine Einrichtung wie die GÖTTINGER TAFEL e.V. zunächst sinnvoll, bietet aber auch Anlass für grundsätzliche Diskussionen um kostenlose Abgabe von materiellen Gütern.

Es war und ist nicht Ziel des Vereins Armutsprobleme in der Stadt Göttingen zu lösen.

Vielmehr wird die Abgabe von Lebensmitteln als zusätzliches Angebot verstanden, damit Menschen in finanziellen Notsituationen nicht „am Essen sparen müssen". Das oft sehr reichhaltige und nahrhafte Nahrungsangebot ermöglicht vielen, sich gesund zu ernähren. Mit dem so eingesparten Geld können darüber hinaus Anschaffungen in anderen Bereichen vorgenommen werden.

Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass ca. 20 % der Lebensmittel vernichtet werden, also entweder gar nicht verkauft werden, weil sie den EG-Normen oder den Kundenwünschen nicht entsprechen oder „überschüssig“ sind.

Arbeitsweise

Die Umsetzung der Idee basiert auf zwei Säulen:

Hinzu kommen drei Außenstellen, die ein- bis zweimal pro Woche mit Ware beliefert werden und von Ehrenamtlichen aus den jeweiligen Gemeinden betreut werden.

Kunden

Jede Kundin/jeder Kunde erhält einen Ausweis, auf dem Haushaltsgröße, Kundennummer und zwei selbst gewählte Abholtage eingetragen werden. Die Angaben beziehen sich auf alle im Haushalt lebenden Personen und müssen durch Personalausweis, Familienstammbuch o.ä. nachgewiesen werden.

Jeder Haushalt wird namentlich mit der dazu gehörigen Kundennummer und den Geburtsjahrgängen aller im Haushalt lebenden Personen per EDV erfasst.

Dieses System verhindert weitgehend „Missbrauch“, mehrfache tägliche Abholung von Lebensmitteln ist nicht möglich, die Ware wird so gerecht wie möglich verteilt.

Gleichzeitig können Aussagen getroffen werden über Häufigkeit der Lebensmittelabholung, ausgegebene Portionen, Kundenzahlen, Altersstruktur usw. – ein für Öffentlichkeitsarbeit wichtiger Aspekt.

Die Akzeptanz dieses Karten- und Kontrollsystems ist bei den Kundinnen und Kunden sehr hoch.

Hintergrund

In den ersten zwei Jahren gaben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Laden Lebensmittel auf Vertrauensbasis aus, d.h. die Kundinnen und Kunden nannten die Zahl der Personen, für die sie Lebensmittel benötigten, und erhielten – soweit vorhanden – die gewünschte Menge.

Da immer mehr Menschen unsere Einrichtung täglich aufsuchten, reichten die Lebensmittel nicht mehr aus. Gleichzeitig entstand Unmut bei den Kundinnen und Kunden. Sie kontrollierten sich untereinander („der hat aber keine drei Kinder“) – der Futterneid wuchs.

Der Verein entschied sich daraufhin für die Einführung von Kundenkarten und der Reduzierung der Lebensmittelabgabe, wonach jeder Haushalt nur noch zwei mal pro Woche Lebensmittel erhält.

Finanzierung

Geldspenden

Der Verein erhält keine staatlichen Zuschüsse und ist neben Sachspenden stark auf Geldspenden angewiesen, um Personalkosten (zwei Zivildienstleistende, eine Betriebsleitung, eine Geschäftsleitung) und laufende Kosten wie Benzin, Wasser, Strom, Telefon, Abholung der „grünen Tonne“ usw. zu finanzieren.

Dies ist nur möglich durch den Einsatz von Unternehmen, Service-Clubs, Sportvereinen, Kirchengemeinden und Schulen, die Aktionen zugunsten des Vereins veranstalten, und durch Geldspenden von Privatpersonen.

Eine weitere Einnahmequelle ist die Zuweisung von „Bußgeldern“ über die Gerichte.

Lebensmittelspenden

Es gibt einen festen Stamm von Bäckereien, Supermärkten, Warenhäusern, kleineren Lebensmittelgeschäften, Tankstellen usw., die regelmäßig Lebensmittel zur Verfügung stellen. Einige Unternehmen beliefern den Verein täglich, mit anderen ist ein Abrufsystem vereinbart. Hinzu kommen spontane Anrufe von Anbietern, die Ware übrig haben.

Sachspenden

Der Verein ist ebenfalls auf Sachspenden angewiesen. Neben „einmaligen“ Spenden wie beispielsweise Küchen- und Büroeinrichtung wird der Verein dauerhaft unterstützt mit Spenden für die tägliche Nutzung (Margarinebecher, Gefrierbeutel, Handschuhe, Gläser, etc.)

Sponsoring

Hauptsponsor ist zur Zeit ein Autohaus, das uns zwei Fahrzeuge zu günstigen Leasing-Konditionen zur Verfügung stellt.

Vereinsstruktur

Der Verein besteht aus zwei Vorsitzenden, einer Schatzmeisterin und einem Beirat und hat ca. 90 Mitglieder, von denen etwa 40 regelmäßig im Küchen-, Laden- oder Fahrdienst aktiv arbeiten.

Die übrigen Mitglieder spenden Geld, beteiligen sich an Aktionen oder stellen Kontakte zu potentiellen Spenderinnen und Spendern her.

Die Altersstruktur der Vereinsmitglieder reicht von 16 bis zu 78 Jahren. Es arbeiten Studenten, Hausfrauen, Rentner, Arbeitslose und Berufstätige miteinander. Gemeinsam ist allen, dass sie von der Grundidee des Vereins überzeugt sind. Regelmäßige Vorstandssitzungen, Mitgliederversammlungen und gemeinsame Aktivitäten dienen dazu, die Umsetzung der Vereinsaufgabe zu optimieren, sich auszutauschen und Mitglieder einzubeziehen.

Mitarbeit

Die Umsetzung der Vereinsaufgabe ist sehr komplex und personalintensiv. Täglich arbeiten durchschnittlich zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fahrdienst, in der Küche und im Laden.

Ein bis zwei Zivildienstleistende und gelegentlich ein Mitarbeiter auf „Zusatzjob-Basis“ sind für die Abholung der Ware zuständig, unterstützt von ehrenamtlichen Beifahrern. Für das Aussortieren der Ware und die Lagerhaltung ist eine Betriebsleitung verantwortlich, unterstützt von zwei Ehrenamtlichen jeweils vormittags und nachmittags. Im „Laden“ arbeiten vormittags und nachmittags jeweils zwei Ehrenamtliche.

Die Außenstellen werden von freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den jeweiligen Stadtteilen und aus der Hauptstelle betrieben.

Regelmäßig können Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Praktikums einen Einblick in unsere Arbeit erhalten.

Auch straffällig gewordene junge Erwachsene können in unserer Einrichtung gemeinnützige Stunden als Arbeitsauflage ableisten.